Schloss Seifersdorf
 

Carl von Brühl, der Intendant der königlichen Theater zu Berlin und Schlossherr von Seifersdorf 

(*18.05.1772 Pförten - +09.08.1837 Berlin, beigesetzt in der Seifersdorfer Kirche)

Am 18. Mai 2022 feiern wir den 250. Geburtstag von Carl Graf von Brühl. Er wurde am 18. Mai 1772 in Pförten (heute Brody/Pl) geboren. Seine Eltern Tina und Hans-Moritz von Brühl legten frühzeitig Wert auf eine sehr gute Erziehung des Jungen. So wurde er u.a. in Musik, Literatur, Sprachen, Mineralogie, Naturwissenschaften unterrichtet. So lernte er bereits 1785 Johann Wolfgang von Goethe, Gottfried Herder, später auch Wieland kennen. 1790 wurde er in der Seifersdorfer Kirche in Gegenwart von Hofkapellmeister Naumann konfirmiert. In seiner Kindheit und Jugend war er von vielen Malern umgeben. So wurde er gemeinsam mit seinen Eltern 1797 von Anton Graff gemalt. Dieses Bild hing vor wenigen Jahren im Original in der Anton Graff-Ausstellung im Zwinger.

Nach einer Forstausbildung in Thale Ende des 18. Jahrhundert berief ihn das preußische Königshaus ab 1800 als Kammerherr von Königin Luise nach Rheinsberg. Auch dort wirkte er am Hoftheater mit. 

Am Sonntag, 15. Mai 2022 planen wir ein Festkonzert zum 250. Geburtstag in Schloss Seifersdorf. 

2022 heißt aber auch: 200 Jahre äußerliche Fertigstellung des Schlosses u.a. nach Plänen des preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel, der 1817 in Seifersdorf war. Carl von Brühls Ideen für den Umbau des Schlosses flossen vermutlich auch ein. Für die Fertigstellung wurde an der Südseite des Schlosses eine Tafel "Eine veste Burg ist unser Gott 1822" angebracht.

Was haben Schloss Seifersdorf und das Konzerthaus Berlin  am Gendarmenmarkt miteinander zu tun? 

Carl Graf von Brühl war der Seifersdorfer Schlossherr und zeitgleich von 1815 bis 1828 der Intendant der königlichen Theater zu Berlin. Während seiner Intendanz in Berlin wurde das durch einen Brand zerstörte damalige Schauspielhaus am Gendarmenmarkt nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel wieder aufgebaut. Die Einweihung fand am 26. Mai 1821 statt. Wenige Wochen später am 18. Juni 1821 feierte der "Freischütz" von Carl Maria von Weber seine Welturaufführung in Berlin. An beiden Ereignissen hatte Carl von Brühl maßgeblichen Anteil. Carl von Brühl bat Johann Wolfgang von Goethe, mit dem er seit frühester Kindheit in Verbindung stand, am 24. April 1821 darum, einen Prolog für die Eröffnung zu dichten.

"Der Meister beantwortete am 30. desselben Monats die Frage bejahend und versprach baldigst, eine Übersicht des ganzen und den Anfang der Ausführung folgen zu lassen.

Goethe schrieb an Carl von Brühl:
"Ihr werthestes Schreiben, theuerster Herr und Freund, hätte mich beinahe erschreckt; es fand mich zwischen mehreren, durchs Frühjahr aufgeschlossenen Mineralienschränken, ..., ein weiter, kühner Schritt bis zu dem Berliner Prachtgebäude und allem was man daselbst leistet und erwartet. ... Die Ehre und Freude die Sie mit erweisen läßt mich keine verneinende Antwort finden; ich habe die Sache sogleich überdacht und Sie erhalten nächstens was bei mir entstehen wollte. ... Das fortdauernde Vertrauen dankbar anerkennend, mich zu fernerer freundlicher Mitwirkung schönstens empfehlend. Treulichst J. W. Goethe, Weimar den 30. April 1821"

Schon am 2. Mai sendete Goethe den ersten Theil des Prologs und fügte mehrere Bemerkungen für die gesamten drei Theile, aus denen der Prolog ursprünglich bestehen sollte, hinzu; zwei Tage später, am 5. Mai, folgte der zweite Theil und der Anfang des dritten nebst einigen Zusätzen, und unterm 13. Mai 1821 die letzte Sendung. Doch war die erste Idee eines Prologs von drei Theilen aufgegeben und das Ganze verkürzt; auch lehnte Goethe die erhaltene Einladung, zur Einweihung nach Berlin zu kommen, krankheitshalber dankend ab." aus Biographie Johann Valentin Teichmann, Sekretär von Carl von Brühl beim königlichen Theater zu Berlin.

Nachdem Carl von Brühl, Johann Wolfgang von Goethe um das Dichten eines Prologs für die Eröffnung des Schauspielhauses am Gendarmenmarkt gebeten hatte, folgte Goethe diesem Wunsch.

Es gab dazu zahlreichen Briefwechsel. So schrieb Goethe an Carl von Brühl am 30. April 1821, am 02. Mai 1821, am 05. Mai 1821 und schickte ihm den Eröffnungsprolog in drei Teilen. 

Am 12. Mai 1821 schrieb Johann Wolfgang von Goethe an Carl von Brühl:
"Ob ich gleich mit meinem Zustande, theuerster Herr und Freund verhältnismäßig Ursache habe zufrieden zu seyn, so könnte doch gerade Ihr schöner, so wohlgemeinter Brief unangenehme Gefühle in mir aufregen. Das Alter mag doch eigentlich eine lästige Sache seyn, da es uns hindert, solche wünschenswerthe Güter zu genießen. ... Alle mitwirkenden Bau- und Bildkünstler sollen auch von mir gesegnet seyn und so nehme ich Abschied mit den treusten Wünschen und wiederholten Bitte mich allseits zu empfehlen und meiner im Besten zu gedenken. ... Mögen solche Festtage zur allgemeinen Freude gereichen.
Treulichst
J. W. Goethe
Weimar, den 12. May 1821
aus: Johann Valentin Teichmann musikalischer Nachlass

Am 26. Mai 2021 hieß es trotz Pandemie in Berlin:                                                              200 Jahre Konzerthaus (Schauspielhaus) in Berlin

Neben dem eigens von Goethe geschriebenen Prolog wurde das Schauspielhaus am Gendarmenmarkt mit "Iphigenie auf Tauris" von Johann Wolfgang von Goethe auf Wunsch von Carl von Brühl eröffnet. Das zeigt auch die sehr enge Verbindung zwischen den beiden. In der Klassik-Stiftung Weimar finden sich weitere Originalunterlagen.

Beim heimatlichen Schloss in Seifersdorf gab Schinkel bei seinem Besuch 1817 noch diverse Hinweise zur Fertigstellung (1822).

Carl Graf von Brühl - der Theaterintendant und seine Familie

Carl Graf von Brühl hatte gemeinsam mit seiner Ehefrau Jenny, geborene von Portales, sechs Kinder. Drei Söhne und drei Mädchen. Carl und Jenny lebten während der Theatersaison in Berlin und in den Theaterferien waren sie in Seifersdorf. Er wurde 1815 als Intendant der königlichen Theater berufen und begleitete bis 1828 dieses Amt.
Bis zur Fertigstellung des Seifersdorfer Schlosses 1826 lebten auch sie mit ihren Kindern wie vorher Tina und Hans Moritz im Herrenhaus auf dem Rittergut, wenn sie sich in Seifersdorf aufhielten. Erst 1826 bezogen sie das fertiggestellte Schloss.

Der älteste Sohn Moritz wurde 1816 in Berlin geboren und starb 1828 an Scharlachfieber in Seifersdorf. Johann Wolfgang von Goethe bezog sich am 23. Oktober 1828 in einem Brief auf den Jungen:
"...Wenn ich Sie, mein theuerster Freund, den ich in so machen anmutigen und hoffnungsvollen Zuständen mit immer gleicher wechselseitiger Neigung gesehen, gefunden und wieder gefunden, nunmehr in dem lieben heitern Seifersdorf, dessen Name mir so viele willkommene Erinnerungen hervorruft, und dessen höchst glückliche Erneuerung Sie mir mitzutheilen so freundlich waren, wenn Sie nunmehr in einem tief traurigen, verlustfühlenden, selbst kranken Zustand daselbst gedenke, so ist mir ganz eigens zu Muthe. …"

Weitere Kinder waren Karl von Brühl, der 1818 geboren und später der Schlossherr von Seifersdorf wurde. Seine Frau war Ludmilla von Renard aus Groß Strehlitz/Oberschlesien. Mit ihr hatte er drei Kinder. Zwei Mädchen und einen Jungen. Dieser wurde später der letzte Seifersdorfer Graf.

1819 kam das erste Mädchen Marie Sophie auf die Welt. Sie starb sehr früh und wurde auf dem Seifersdorfer Friedhof beigesetzt. Der Grabstein ist noch heute vorhanden.

1821 wurde der dritte Sohn Albrecht in Berlin geboren. Seine Frau war Adelheid von Katte. Diese hatten zwei Kinder, wovon der Sohn den Namen des Großvaters Hans Moritz erhielt und als königlicher Forstmeister arbeitete. Albrechts Grab ist noch heute auf dem Friedhof Potsdam-Bornstedt zu finden.

Es folgten noch zwei Mädchen. Elisabeths Geburtsjahr war 1827. Sie wurde später Hofdame von Königin Elisabeth von Preußen und heiratete den preußischen General der Kavallerie Alfred Graf von Rauch. Deren Nachkommen waren ebenfalls in hohen militärischen Ämtern. Elisabeth fand ihre letzte Ruhestätte auf dem Invalidenfriedhof in Berlin.

Die jüngste Tochter hieß Anna. Sie wurde 1835 geboren und heiratete später Alexander von Pfuel, den Herren auf Jahnsfelde im heutigen Brandenburg.

Bei Albrecht von Brühl lebte seine Mutter Jenny viele Jahre nachdem der Theaterintendant Carl von Brühl 1837 in Berlin verstorben und in Seifersdorf neben seinen Eltern in der Gruft in der Kirche beigesetzt wurde. Jenny überlebte ihren Mann 47 Jahre und wurde 89 Jahre alt. 1884 wurde sie an der Ostseite der Seifersdorfer Kirche in unmittelbarer Nähe zu ihren Kindern, Moritz, Karl und Marie Sophie beigesetzt.




 
 
 
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